Chancen für KMUs in allen Wirtschaftsbereichen
Bereits 1991, noch vor der internationalen Anerkennung Sloweniens, wurde in unserem südlichen Nachbarland eine Außenhandelsstelle eröffnet. Diese Entscheidung hat sich als äußerst wichtig und zielführend erwiesen. Tausende Unternehmen haben ihre ersten Schritte auf dem slowenischen Markt unter Mithilfe des Handelsdelegierten und seinem Team gemacht. Das anhaltende Interesse der österreichischen Unternehmen an Slowenien hat sich mit dessen Beitritt zur EU nochmals verstärkt, wobei zunehmend auch Klein- und Mittelbetriebe die Möglichkeiten sondieren sowie ihre Chancen nützen wollen
- und die gibt es in fast allen Wirtschaftsbereichen.
Seit 12 Jahren gab es ohne Unterbrechung Zuwächse bei den Handelsbeziehungen, export- wie importseitig. Gerade 2003 und im ersten Halbjahr 2004 kam es zu einem neuerlichen Anstieg. Die österreichischen Exporte nach Slowenien nahmen in den ersten 6 Monaten dieses Jahres im Vergleich zur Vorjahresperiode um weitere 26,5 % auf 979 Mio. EUR zu, die Importe in der gleichen Zeit um 40,7 % auf 433 Mio. EUR. Damit gelangte Slowenien an die 10. Stelle der wichtigsten Abnehmer österreichischer Waren weltweit - nach Spanien und vor den Niederlanden. Diese enormen Zuwächse sind um so beachtenswerter, als Slowenien bereits seit einigen Jahren das Land mit der größten Abnahme an österreichischen Waren pro Kopf, noch vor Deutschland und der Schweiz ist.
Besondere Chancen sehe ich derzeit als Handelsdelegierter für österreichische Unternehmen beim Absatz von Lebensmitteln, da sich der slowenische Markt mit dem EU-Beitritt auch in diesem Bereich geöffnet hat. Zollschranken und diverse behördliche Verfahren gehören der Vergangenheit an. Gerade in Slowenien ist das Preisniveau in der Lebensmittelerzeugung und im Lebensmittelhandel teils höher als in Österreich. Hinzu kommt der hohe Bekanntheitsgrad österreichischer Lebensmittel und die Nähe zu den slowenischen Abnehmern. In einigen Nahrungsmittelbereichen ist Slowenien zunehmend auf Importe angewiesen.
Im Rahmen des EU-Beitritts ist auch für Slowenien die weitere Verbesserung der Infrastruktur aber auch der Umweltmaßnahmen vordringlich. Gerade für die österreichische Exportwirtschaft öffnen sich dabei sehr gute Lieferchancen. Derzeit befinden sich eine Reihe von Kläranlagen, Fließwasser- und Luftreinhaltungsprojekte in Planung oder in unterschiedlichen Phasen der Ausschreibung. Für die Gemeinden genießen der Bau von Kläranlagen und eine moderne Mülltrennung oberste Priorität. Da das Know-how gerade der österreichischen Unternehmen auf dem Gebiet des Umweltschutzes international anerkannt ist, wird die Außenhandelsstelle Laibach am 10.11.2004 ein „Austria Showcase Slowenien“ zum Thema Umwelt sowie auch Infrastruktur organisieren. Österreichische Unternehmen haben dabei die Gelegenheit, ihre Erzeugungsprogramme und Dienstleistungen Fachleuten von Behörden und Unternehmen näher zu bringen.
Es ist hervorzuheben, dass die österreichische Wirtschaft bereits früh die Wichtigkeit der Öffnung in Richtung der osteuropäischen Märkte erkannt und sich dementsprechend in den dynamischen Entwicklungsprozess eingebracht hat. Bei Slowenien kam noch hinzu, dass dieses Nachbarland stets als ein potenter Absatzmarkt angesehen wurde und den österreichischen Unternehmen auch die Entwicklungsunterschiede Sloweniens in Relation zu den südlichen Teilstaaten des früheren Jugoslawiens bewusst waren. Hingegen wurde dies in Westeuropa noch bis vor kurzer Zeit kaum gesehen und der kleine aber feine slowenische Markt vernachlässigt. Österreichische Unternehmen, die bisher noch nicht aktiv waren, sind daher gut beraten, ihre Chancen in Slowenien, nicht zuletzt auch mit Hilfe der Außenhandelsstelle, raschestmöglich auszuloten.
Wesentlich für die positive Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen war auch die Tatsache, dass die österreichischen Unternehmen die bedeutendsten Auslandsdirektinvestoren in Slowenien im Bereich der Industrie, des Handels und der Dienstleistungen wie nicht zuletzt des Bankwesens sind. Die österreichischen Unternehmen schätzen die gute Arbeitsproduktivität und Qualität der slowenischen Arbeitskräfte, wodurch das verglichen zu anderen EU-Beitrittsländern höhere Lohnniveau kompensiert wird. Der Wegfall der Zollformalitäten seit dem 1.5.2004 verbessert die Möglichkeiten für Just in Time Lieferungen und somit insbesondere Zulieferungen der slowenischen Industrie an die österreichische Automobil- und Maschinenindustrie. Auch in anderen Wirtschaftssektoren bewirkt der EU-Beitritt eine noch stärkere Kooperation slowenischer mit österreichischen Unternehmen. Sie sollte zu einer weitergehenden Dynamik dieser neuen EU-Wirtschaftsregion führen.
Als Handelsdelegierter möchte ich meiner Freude Ausdruck verleihen, dass die Website "Business Network Carinthia-Slovenia" ins Leben gerufen wurde, welche Unternehmen auf beiden Seiten die aktuellen Möglichkeiten vor Augen führt und somit eine wertvolle Informationsplattform darstellt.
Mag. Georg Krauchenberg
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